Archiv für die Kategorie „Minimalist“

Der Preis der Bequemlichkeit

Donnerstag, 22. April 2010

Dieser Artikel ist eine bearbeitete Übersetzung eines Beitrags von Leo Babauta auf seinem Blog mnmlist.

Wenn es ein Ziel gibt, auf das die moderne Gesellschaft im letzten Jahrhundert hingesteuert hat, so ist dies die Bequemlichkeit. Dieser Begriff umfasst die Entwicklungen der letzten 100 Jahre ziemlich gut: Waschmaschinen und Wäschetrockner, Automobile, Flugzeuge, Fernseher, Mikrowellenöfen, PCs und das Internet, Fast Food, industrielle Agrarwirtschaft, Tiefkühlkost, Geschirrspülmaschinen, Apparate und Automaten jeglicher Art.

Wir sind größtenteils eine Gesellschaft von Bequemlichkeiten. Doch was ist der Preis hierfür?

Die Ursachen der globalen Klimakrise zum Beispiel, scheinen komplett in unserer Bequemlichkeiten begründet zu sein, und viele meinen nun, die Lösung der Klimakrise müsste auf genauso bequeme Weise erfolgen wie das Problem selbst: mit Hilfe von Elektro-Autos, sauberer Energie, “Smart Homes” und Bio-Fertiggerichte. Ich bin nicht ganz überzeugt – ich glaube vielmehr. wir müssen  unseren Hand und unsere Liebe zur Bequemlichkeit massiv überdenken.

Das Übergewichtsproblem wurde ebenfalls von Bequemlichkeiten erzeugt: Fast Food und Fertiggerichte sowie vorverarbeitete und mit künstlichen Aromen und diversen Süßstoffen versetzte Lebensmittel verführen uns dazu, große Mengen zu essen, ohne dass dies mit viel Auwand verbunden wäre. Die Lösung, so meinen viele, muss ebenso bequem sein – sie möchten weder ihre eigenen Gerichte kochen oder stundenlange Fitnessübungen machen. Sie wollen schnelle aber gesunde Gerichte, die  sofort zubereitet sind, Bewegung, die in ein paar Minuten erledigt ist oder sich nicht anstrengend anfühlt, Pillen und kosmetische Eingriffe, die unser “Fettproblem” lösen. Mein Verständnis ist dass körperliche Übungen harte Arbeit sind und sein sollten – anstrengend sein und dennoch Spaß machen sollten. Die Zubereitung gesunder Mahlzeiten kostet ein wenig Zeit, verhilft uns aber zu genussvollem und bewussten Kochen und Essen.

Autos sind etwas wunderbar bequemes – ausser wenn sie es nicht sind: saftige Monatsraten und Unterhaltskosten, für Pflege und Wartung und Tanken geht Zeit verloren, sie bleiben mitten auf der Autobahn stehen, springen nicht an oder haben einen Platten, wir ärgen uns wenn wir im Berufsverkehr stecken bleiben, suchen Straßen um Straßen nach einem freien Parkplatz ab, und so weiter. Die Kosten für diese Bequemlichkeit tragen natürlich unsere Gesundheit und unsere Umwelt – vielleicht ein kleiner Preis, den wir da zahlen.

Bequemlichkeit ist immer mit verdeckten Kosten verbunden, wenn man sich das große Ganze ansieht. Manchmal werden die Kosten auf die Dritte Welt, auf unsere Umwelt oder auf die Zukunft unserer Kinder abgewälzt, aber, hey, das sind doch Probleme Anderer Leute (PAL).

Leo Babauta schrieb einmal, wir sollten unautomatisieren, und das ist ein Gedanke, zu dem wir oft zurückkehren sollten. Es ist unbequem, Klamotten zum Trocknen aufzuhängen, aber es ist spart sehr viel Energie. Einen kleinen Garten zuhause zu haben ist nicht so bequem wie sich auf die Agrarindustrie zu verlassen, dennoch ist es den Preis der Unbequemlichkeit wert. Zu Fuß gehen, Radfahren und das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel ist nicht so bequem, aber es ist deutlich unterhaltsamer und nachhaltiger als sich auf Autos zu verlassen.

Welche “Unbequemlichkeiten” können wir in unser tägliches Leben eingliedern, die uns in vielfältiger Weise belohnen? Ich habe darauf keine Antwort, aber die Frage muss gestellt werden.