5 gewichtige Gründe, langsamer zu essen

2. Mai 2010

Dieser Artikel ist eine bearbeitete Übersetzung eines Beitrags von Leo Babauta in seinem Blog Zen Habits.

Eines der Probleme in unserem Alltag ist, das viele von uns durch den Tag hetzen, ohne Zeit für irgendwas zu haben – und wenn wir Zeit zum Essen finden, schlingen wir es oft hinunter.

Dies führt zu einem gestressten und ungesunden Leben.

Und mit dem einfachen aber machtvollen Entschluss langsamer zu essen, können wir anfangen, diesen Lebensstil sofort umzukehren, Wie schwer ist es? Man nimmt kleinere Bissen, kaut jeden Bissen langsamer und länger und man genießt seine Mahlzeiten länger.

Man braucht nur ein paar Minuten mehr pro Mahlzeit und dennoch kann dies tiefgreifende Effekte haben.

Sicher habt Ihr schon von der Slow Food-Bewegung gehört, die vor fast zwei Jahrzehnten von Italien ausgehend startete, gegen die Fastfood-Gesellschaft vorzugehen. Alles was Fastfood ist, ist nicht Slow Food.

Wenn man das Slow Food Manifest liest, merkt man schnell, dass es dabei nicht nur um die Gesundheit geht. Es geht um einen Lebensstil. Und ob man diesen Lebensstil nun annehmen möchte oder nicht, so gibt es doch einige Gründe, warum man über die einfache Lösung, langsamer zu essen, nachzudenken.

  1. Abnehmen. Eine zunehmende Anzahl von Studien belegt,  dass man alleine dadurch, langsamer zu essen, weniger Kalorien zu sich nimmt. Um genau zu sein, kann man so genug Kalorien einsparen, um 10 Kilo Gewicht im Jahr zu verlieren. Ohne etwas anderes zu tun oder etwas anderes zu essen. Das liegt daran,d ass es rund 20 Minuten dauert, bis unser Hirn registriert, dass wir satt sind. Wenn wir schnell essen, können wir über den Punkt der Sättigung hinaus essen.Wenn wir langsamer essenhaben wir Zeit zu erkennen das wir satt sind und können rechtzeitig aufhören. Nun würde ich weiterhin empfehlen, gesündere Lebensmittel zu essen, aber wenn man abnehmen möchte, sollte langsameres Essen ein Teil des neuen Lebensstils werden.
  2. Das Essen genießen. Dieser Grund ist meiner Meinung nach genau so machtvoll. Es ist schwer, eine Mahlzeit zu genießen, wenn sie zu schnell vorbei ist. Ich denke, es ist durchaus in Ordnung zu “sündigen” wenn man kleine Mengen und diese langsam isst. Wenn man einmal darüber nachdenkt: man möchte etwas “verbotenes” essen (Süßspeisen, gebratenes, Pizza usw.) weil es lecker schmeckt.Aber was was soll das wenn man diese Dinge schnell isst? Wenn man sie langsam isst, kann man mit einer kleineren Menge den gleichen Genuß erzielen. Die Rechnug geht meiner Meinung nach auf. Ausserdem glaube ich dass man einfach glücklicher wird, wenn man leckere Dinge schmeckt und sie voll auskostet, weil man sie langsam isst. Man sollte seine Mahlzeiten in einen kulinarischen Genuss verwandeln und nicht zu etwas, dass man zwischen zwei Terminen gehetzt herunterschlingt.
  3. Bessere Verdauung. Wenn man langsamer isst, kaut man sein Essen besser, was zu einer besseren Verdauung führt. Da die Verdauung bereits im Mund beginnt, erspart man seinem Magen dadurch einiges an Arbeit. Das kann auch Verdaunungsprobleme zu lindern.
  4. Weniger Stress. Langsamer und aufmerksamer zu essen kann eine tolle Achtsamkeitsübung sein. Man is(s)t im Moment anstatt durch eine Mahlzeit zu hetzten und darüber nachzudenken, was man als nächstes tun wird. Wenn man isst, sollte man essen. Diese Art der Achtsamkeit führt meiner Ansicht nach zu einem weniger gestressten Leben und langfristig zu mehr Zufriedenheit. Versucht es aus.
  5. Rebelliert gegen Fastfood und ein schnelles Leben. Unsere hektischen, stressigen Hochgeschwindigkeitsleben verleiten zum schnellen Verzehr von Fastfood. Dieser Lebensstil ist entschmenschlichend und ungesund, macht uns gestresst und unzufrieden. Wir hetzen durch unser Leben, erledigen eine achtlose Aufgabe nach der anderen, ohne uns die Zeit zu nehmen, unser Leben zu leben, es zu genießen, in Beziehungen zu einander zu treten – Mensch zu sein. Meiner Ansicht nach, ist dies ein falscher Weg. Stattdessen sollten wir uns gegen diesen ganzen Lebensstil und diese Philosophie auflehnen – mit dem kleinen Akt des langsameren Essens. Esst weniger Fastfood. Esst lieber in einem guten Restaurant – oder noch besser:  kocht Eure eigenen Mahlzeiten und geniesst sie in vollen Zügen.  Schmeckt das Leben selbst.

zum 1. Mai: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral

1. Mai 2010

Bereits vor fast 50 Jahren verfasste Heinrich Böll seine “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral”, die heute aber noch immer genau so aktuell ist wie damals. Und sie entspricht sehr dem Geist des Zombiefish:

In einem Hafen an der Westküste Europas schläft ein ärmlich gekleideter Fischer und wird durch das Klicken des Fotoapparates eines Touristen geweckt. Anschließend fragt der Tourist den Fischer, warum er denn nicht draußen auf dem Meer sei und fische. Heute sei doch so ein toller Tag um einen guten Fang zu machen, es gebe draußen viele Fische. Da der Fischer keine Antwort gibt, denkt sich der Tourist, dem Fischer gehe es nicht gut, und fragt ihn nach dessen Befinden, doch der Fischer hat nichts zu beklagen. Der Tourist hakt noch einmal nach und fragt den Fischer abermals, warum er denn nicht hinausfahre. Nun antwortet der Fischer, er sei schon draußen gewesen und habe so gut gefangen, dass es ihm für die nächsten Tage noch reiche. Der Tourist entgegnet, dass der Fischer noch zwei-, drei- oder gar viermal hinausfahren und dann ein kleines Unternehmen aufbauen könnte, danach ein größeres Unternehmen und dieses Wachstum schließlich immer weiter steigern könnte, bis er sogar das Ausland mit seinem Fisch beliefern würde. Danach hätte der Fischer dann genug verdient, um einfach am Hafen sitzen und sich ruhig entspannen zu können. Der Fischer entgegnet gelassen, am Hafen sitzen und sich entspannen könne er doch jetzt schon. Darauf geht der Tourist nachdenklich und ein wenig neidisch fort.

Quelle/weitere Infos:  Wikipedia | Volltext beim AStA der Uni Flensburg

Traum/Leben

29. April 2010

Es geht nicht darum, Dein Leben zu verträumen.

Es geht auch nicht darum, Deine Träume zu leben.

Es geht schlicht und einfach darum, Dein Leben zu leben.

Des Vaters weise Worte

28. April 2010

Die folgende Geschichte habe ich einmal so ähnlich im Deutschlandfunk gehört, vorgetragen von einem Sänger, begleitet in guter alter Liedermacher-Manier nur von seiner Gitarre. Leider kann ich mich an den Interpreten nicht mehr entsinnen, glaube aber mich zu erinnern, dass er ostdeutscher Herkunft war. Dennoch möchte ich Euch diese weisen Worte nicht vorenthalten. Sie haben mich sehr inspiriert und fallen mir oft wieder ein, wenn ich merke, dass ich die Achtsamkeit mal wieder habe fahren lassen:

Ein Mann, der Karriere gemacht hat, machte sich auf dem Weg zu seinem Vater, den er lange nicht mehr besucht hatte.
Als er vor seinem Heimathaus parkte, sah er seinen alten Vater, wie er gerade seine Katzen fütterte.

Der Mann begrüßte seinen Vater und fuhr fort: „Leider kann ich nicht lang bleiben, mir fehlt die Zeit. Ich habe so viel zu tun, bin ständig im Stress. Aber du siehst ja, ich bin erfolgreich. Woher nimmst du überhaupt deine Ruhe, Vater?“

Der alte Mann sah ihn mit einem Lächeln an: „Die Ruhe? Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich arbeite, arbeite ich. Wenn ich plane, dann plane ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich und wenn ich höre, dann höre ich zu.“

Der Sohn zu seinem Vater etwas beleidigt: „Und was mache ich? Ich mache genau das! Und trotzdem bin ich ständig im Stress!“

Der weise Vater antwortete ruhig und mit warmer Stimme: „Hast du mir genau zugehört, was ich gesagt habe? Ich habe gesagt, wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich arbeite, arbeite ich. Wenn ich plane, dann plane ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich und wenn ich höre, dann höre ich zu.

Du machst es aber anders. Wenn du schläfst, dann stehst du schon auf. Wenn du aufstehst, dann gehst du schon. Wenn du gehst, dann bist du schon in der Arbeit. Wenn du arbeitest, dann planst du. Wenn du planst, dann sprichst du, Und wenn du sprichst, dann hörst du schon. Wenn du hörst, dann schläfst du.“
Der Sohn wurde ganz nachdenklich und sah in das freundliche und entspannte Gesicht seines Vaters.

Autor unbekannt/Quelle: Burkhard Heidenberger

Der Preis der Bequemlichkeit

22. April 2010

Dieser Artikel ist eine bearbeitete Übersetzung eines Beitrags von Leo Babauta auf seinem Blog mnmlist.

Wenn es ein Ziel gibt, auf das die moderne Gesellschaft im letzten Jahrhundert hingesteuert hat, so ist dies die Bequemlichkeit. Dieser Begriff umfasst die Entwicklungen der letzten 100 Jahre ziemlich gut: Waschmaschinen und Wäschetrockner, Automobile, Flugzeuge, Fernseher, Mikrowellenöfen, PCs und das Internet, Fast Food, industrielle Agrarwirtschaft, Tiefkühlkost, Geschirrspülmaschinen, Apparate und Automaten jeglicher Art.

Wir sind größtenteils eine Gesellschaft von Bequemlichkeiten. Doch was ist der Preis hierfür?

Die Ursachen der globalen Klimakrise zum Beispiel, scheinen komplett in unserer Bequemlichkeiten begründet zu sein, und viele meinen nun, die Lösung der Klimakrise müsste auf genauso bequeme Weise erfolgen wie das Problem selbst: mit Hilfe von Elektro-Autos, sauberer Energie, “Smart Homes” und Bio-Fertiggerichte. Ich bin nicht ganz überzeugt – ich glaube vielmehr. wir müssen  unseren Hand und unsere Liebe zur Bequemlichkeit massiv überdenken.

Das Übergewichtsproblem wurde ebenfalls von Bequemlichkeiten erzeugt: Fast Food und Fertiggerichte sowie vorverarbeitete und mit künstlichen Aromen und diversen Süßstoffen versetzte Lebensmittel verführen uns dazu, große Mengen zu essen, ohne dass dies mit viel Auwand verbunden wäre. Die Lösung, so meinen viele, muss ebenso bequem sein – sie möchten weder ihre eigenen Gerichte kochen oder stundenlange Fitnessübungen machen. Sie wollen schnelle aber gesunde Gerichte, die  sofort zubereitet sind, Bewegung, die in ein paar Minuten erledigt ist oder sich nicht anstrengend anfühlt, Pillen und kosmetische Eingriffe, die unser “Fettproblem” lösen. Mein Verständnis ist dass körperliche Übungen harte Arbeit sind und sein sollten – anstrengend sein und dennoch Spaß machen sollten. Die Zubereitung gesunder Mahlzeiten kostet ein wenig Zeit, verhilft uns aber zu genussvollem und bewussten Kochen und Essen.

Autos sind etwas wunderbar bequemes – ausser wenn sie es nicht sind: saftige Monatsraten und Unterhaltskosten, für Pflege und Wartung und Tanken geht Zeit verloren, sie bleiben mitten auf der Autobahn stehen, springen nicht an oder haben einen Platten, wir ärgen uns wenn wir im Berufsverkehr stecken bleiben, suchen Straßen um Straßen nach einem freien Parkplatz ab, und so weiter. Die Kosten für diese Bequemlichkeit tragen natürlich unsere Gesundheit und unsere Umwelt – vielleicht ein kleiner Preis, den wir da zahlen.

Bequemlichkeit ist immer mit verdeckten Kosten verbunden, wenn man sich das große Ganze ansieht. Manchmal werden die Kosten auf die Dritte Welt, auf unsere Umwelt oder auf die Zukunft unserer Kinder abgewälzt, aber, hey, das sind doch Probleme Anderer Leute (PAL).

Leo Babauta schrieb einmal, wir sollten unautomatisieren, und das ist ein Gedanke, zu dem wir oft zurückkehren sollten. Es ist unbequem, Klamotten zum Trocknen aufzuhängen, aber es ist spart sehr viel Energie. Einen kleinen Garten zuhause zu haben ist nicht so bequem wie sich auf die Agrarindustrie zu verlassen, dennoch ist es den Preis der Unbequemlichkeit wert. Zu Fuß gehen, Radfahren und das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel ist nicht so bequem, aber es ist deutlich unterhaltsamer und nachhaltiger als sich auf Autos zu verlassen.

Welche “Unbequemlichkeiten” können wir in unser tägliches Leben eingliedern, die uns in vielfältiger Weise belohnen? Ich habe darauf keine Antwort, aber die Frage muss gestellt werden.